Die Stunde für Private Equity?
Ein Gespräch bei einer regionalen Bank. Der Vorstand ist nicht mehr bereit kleinere MBI zu finanzieren. Zumindest ist er nicht bereit so zu finanzieren, wie das in der Vergangenheit der Fall war: mit wenig Eigenkapital, mit staatlichen Finanzierungshilfen (und mit Garantiebürgschaften für die Banken) und relativ hohen Akquisitionskrediten. Eigenkapital ist wieder King und Leverage ist out. Wie gut, dass es auch für mittelständische Transaktionen ein vielfältiges Angebot an Private Equity gibt. Die Eigenkapitalinvestoren werden zurzeit vielleicht keine Spitzenpreise bezahlen, aber bei kleineren und mittleren Transaktionen ist das Angebot an Kapital groß und das Interesse der Investoren hoch.
11.02.09
Bürgen oder nicht bürgen?
Eine Tagung zum Thema Finanzinvestoren und Management Buy In (MBI). Der erste Redner, ein erfahrener Finanzinvestor ruft den an einer Beteiligung interessierten Manager zu: bürge nie! Weitere Referenten erläutern Finanzierungen und Programme, die eine langfristige, teils unbeschränkte persönliche Bürgschaft voraussetzen. Dann kommt mein Beitrag: wieder ein klares Votum gegen persönliche Bürgschaften. Haben die Führungskräfte aufgepasst? Zumindest fragt keiner der Teilnehmer an diesem Tag nach der Auflösung des offenkundigen Widerspruchs. Es mag schon sein: mit Bürgschaft kommt man leichter zu einer MBI-Finanzierung bei Unternehmenskäufen, bei denen der Manager die Mehrheit oder 100% der Anteile erwerben will. Aber kann man zum Zeitpunkt des Kaufs uneingeschränkt sicher über die Ertrags- und Finanzierungskraft des Unternehmens sein? Kann und will man zusätzlich zu dem Eigenkapital auch mit dem gesamten persönlichen Vermögen haften? Wir raten ab; zumindest sollte die persönliche Bürgschaft eng begrenzt sein. Die Anteile am Unternehmen wird man immer geben (müssen). Bei Transaktionen unter der Federführung eines (seriösen) Finanzinvestors wird die Frage nach der persönlichen Bürgschaft zur Anteilsfinanzierung nie gestellt werden. Vielleicht ist es da manchmal besser, weniger Anteile am Zielunternehmen zu halten, aber dafür ein freies Vermögen zu behalten.
10.11.08
Es ist genug Geld da
Die Meldungen zu der Finanzkrise überschlagen sich, den Banken geht das Geld aus? Es ist schon wahr, Akquisitionsfinanzierungen sind schwierig geworden. Die ganz großen Transaktionen sind mehr oder weniger zum Stillstand gekommen. Die Zahl der mittelgroßen Finanzierungen ist stark zurückgegangen. Die Akquisitionsfinanzierungen bei Transaktionen im Mittelstand sehen wir, man glaubt es kaum, durchaus positiv. Die regionalen Institute verfügen über ausgezeichnet Liquidität. Sie sind weiter bereit Unternehmenskäufe zu finanzieren. Natürlich müssen die Parameter stimmen. Die Preise sind schon seit über einem Jahr leicht rückläufig, sie werden noch weiter zurückgehen. Eigenkapital ist King. Wer es hat, steht gut da.
23.10.08
Sub Prime – kein Thema?
Schon seit Mitte des Jahres überschlagen sich die Nachrichten – und Ereignisse – zu den Hypothekenfinanzierungen in den USA und ihren Finanziers überall auf der Welt. Bei der Akquisitionsfinanzierung soll alles beim Alten bleiben? Wohl kaum. Wir sehen seit einigen Wochen die ersten Anzeichen für ein Anziehen der „Konditionen“ bei der Akquisitionsfinanzierung im Mittelstand. Wobei wir mit Konditionen nicht so sehr die Zinsen meinen sondern das Volumen der Kredite, das für einzelne Transaktionen bereitgestellt wird. Es hängt u. a. ab von der Höhe des operativen Ergebnisses. Bei der sog. Verschuldungshöhe, also dem Kreditbetrag, wird nicht mehr der sechsfache oder gar siebenfache EBITDA akzeptiert. Wir sind wieder auf dem Boden der Tatsachen und bei Werten mehr oder weniger deutlich unter fünf. Das wird schon bald eine Folge bei den Kaufpreisen haben. Sie werden auch im Mittelstand bald wieder sinken. Wohl dem, der sein Unternehmen bis zur Jahresmitte verkauft hat. Bei guter Konjunktur, mit guten Perspektiven und bei hohen Marktpreisen. Aber das weiß man immer erst hinterher. Wir auf der Käuferseite sehen die Korrektur positiv. Aber wir haben keinen Anlass zur Freude. Denn die Finanzierungsbedingungen werden schwieriger. Aber das haben wir ja gerade schon gesagt.
26.11.07
Manchmal angebracht: Earn out
Unternehmer streben häufig erfolgsbezogene Vergütungen an. Nach der Philosophie: wenn Erfolg, dann Geld; kein Erfolg, nichts verloren. Doch wenn ein potentieller Käufer mit dem gleichen Konzept den Kaufpreis in einen sofort fälligen und einen erfolgsabhängigen in der Zukunft aufteilen will, weisen sie das Verlangen aufgebracht zurück. Oft haben Sie recht. Bei einem Earn out wird zunächst ein Basiskaufpreis bezahlt. Später erhöht sich der Kaufpreis – manchmal sinkt er auch – in Abhängigkeit von der Geschäftsentwicklung. Auf sie hat der Verkäufer aber nach seinem Ausscheiden keinen Einfluss mehr. Und außerdem: an welcher „objektiven“ Messgrösse soll der Erfolg festgemacht werden? Kein Wunder, wenn das Thema Earn out zu schwierigen Momenten in den Verhandlungen führt. Es gibt mindestens zwei Situationen, in denen Verkäufer und Käufer über Earn out nachdenken sollten. Bei stark projektabhängigen Geschäften kann der Verkäufer einen höheren Kaufpreis erzielen, wenn er einen Earn out akzeptiert. Ein weiterer Fall sind Unternehmen, die neu ausgerichtet werden müssen. Dabei muss es nicht um Restrukturierung gehen. Der Übergang vom Komponenten- zum Systemgeschäft ist ein Beispiel. In solchen Fällen schultert der Käufer einen Großteil des Risikos alleine. Wenn er erfolgreich ist, ist er oft bereit, dem Verkäufer noch einen „Nachschlag“ zu zahlen.
08.05.07
Pro und Contra: Verkäuferdarlehen
Wozu sich überhaupt mit der Frage beschäftigen. Ein Verkäuferdarlehen zur Finanzierung des Kaufpreises? Wenn der Käufer genügend Eigenkapital investiert oder die erforderlichen Finanzmittel bei Banken mobilisiert, ist eine Mitwirkung des Verkäufers an der Finanzierung des Kaufpreises nicht nötig. Nun, so einfach ist es nicht. Auch nach der besten Due Diligence wird der Verkäufer immer noch mehr über die Risiken – und Chancen – in seinem Unternehmen wissen als der Käufer. Auch die finanzierenden Banken wollen meist ein Verkäuferdarlehen als Zeichen dafür sehen, dass der Verkäufer ein Unternehmen mit gutem Ertragspotential auch in der Zukunft übergibt. Das Verkäuferdarlehen ist aus der Sicht der Banken eine Versicherung. Der Käufer sieht es natürlich genauso. Er wird vielleicht sogar einen höheren Kaufpreis zahlen, wenn der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises noch zwei, drei Jahre stundet. Zu Beginn der Verkaufsprozesse heißt es meist nein zum Verkäuferdarlehen. Wenn sich dann alle Interessenten positioniert haben, wird es meist akzeptiert. Ganz ohne Verkäuferdarlehen geht es bei Transaktionen im Mittelstand oft gar nicht.
26.04.07
Du sollst nicht bürgen?
Soll ein Manager für die Akquisitionsfinanzierung persönlich bürgen, der ein Unternehmen im MBO oder MBI (mehrheitlich) kaufen möchte? Er soll nicht. Aber er muß vielleicht. Bei den großen Transaktionen im Private Equity werden die Anteile der Investoren als Sicherheiten gegeben. Mehr nicht. Bei den Transaktionen im Mittelstand kommt regelmäßig die Frage nach der persönlichen Bürgschaft. Das Spektrum der Forderungen reicht von der unbegrenzten Bürgschaft über die nach oben begrenzte (Ceiling) bis zum völligen Verzicht seitens der Finanzinstitute. Im konkreten Fall kann die vorgeschlagene Höchstgrenze „symbolisch“ bis zu „soll sich gemessen an seiner Lebenseinkommenserwartung des Gewichtes des Darlehens bewußt sein“ reichen. Die Bürgschaft muß genau bedacht sein. Haus und Hof für eine Akquisitionsfinanzierung verbürgen? Wir raten dringend ab. Zunächst ist es wichtig, daß der MBI-Manager über ausreichend freies Eigenkapital verfügt. Das ist der Grundstock einer soliden Finanzierung. Das vorhandene Eigenkapital mit Geldern von öffentlichen Kapitalgebern und Finanzinstituten zum Kaufpreis aufzustocken ist sinnvoll und vernünftig. Und die Reaktion einer breiteren Auswahl von möglichen Finanziers ist für den MBI-Manager die Probe auf seinen Vorschlag. Sind Planung und Tilgungsrechung überzeugend? Er wird bei den Gesprächen die Bandbreite der Vorschläge und Forderungen zur Besicherung kennenlernen. Bürgschaften sind ein Thema, bei dem es sich lohnt hartnäckig zu verhandeln und nie die kaufmännische Vorsicht zu vergessen. Wie weit man sich persönlich verbürgen möchte hängt von der Risikoneigung ab. Ohne Höchstgrenze? Wir raten dringen ab.
17.03.07
Meine Hausbank unterstützt mich!
Wie können Banken bei der Transaktion helfen? Indem die „Hausbank“ die erhaltenen Jahresabschlüsse sichtet und eine Meinung zur Qualität des Unternehmens, zum Preis und zur Finanzierbarkeit abgibt? Wer so vorgeht, mag ausnahmsweise einmal zur Finanzierungszusage kommen. Als erfahrener Unternehmer und Käufer weist er sich dadurch nicht aus. Zunächst sollte der prospektive Erwerber für sich selbst einen Geschäftsplan erstellen – und unter verschiedenen Szenarien verproben. Zum Geschäftsplan gehören die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechung und die Cash Flow Rechung über einige Jahre. Bei einem „guten“ Projekt werden die Rechungen großenteils vom Verkäufer oder seinem Berater vorgelegt und müssen nur geprüft und adaptiert werden. Gibt es keine Planung des Unternehmens, sollte man skeptisch sein. In einem nächsten Schritt wird der kluge Interessent die von ihm angedachte Finanzierungstruktur in der Planungsrechnung spiegeln oder von seinem Berater einarbeiten lassen. Nur auf der Basis der eigenen Überprüfung kann man die Machbarkeit der Finanzierung beurteilen. Außerdem kann man so die „finanzielle“ Angemessenheit des Kaufpreises prüfen. Erst jetzt ist es an der Zeit, zu den Banken zu gehen. Die Entscheidung über den Akquisitionskredit fällen bei den Kreditinstituten nicht die Gesprächspartner der Kunden sondern die „Marktfolge“ nach internen und nach standardisierten Kriterien. Nur selten übernimmt am Ende die Hausbank die Akquisitionsfinanzierung.
07.02.07
Alles klar?
Gerade hat mir ein Manager den von ihm erstellten Geschäftsplan für eine Transaktion gezeigt. Er besteht aus einer detaillierten Gewinn- und Verlustrechung. Er unterstellt ein geringeres Wachstum im Umsatz als der Verkäufer in der Planung des Memorandums. Er hat alle Aufwandspositionen durchdacht und zur Ermittlung der Abschreibungen die Investitionen geplant. Er hat zusätzlich einen Einnahmen-Ausgaben-Plan erstellt, wie Banken ihn gerne sehen. Alles klar? Leider nein. Zum Beispiel ist das Working Capital in den beiden Rechenwerken des Managers nicht berücksichtigt. Das Wachstum bindet zusätzliche Mittel bei Vorräten und Forderungen. Ohne eine „runde“ und in sich integrierte Planung von Gewinn- und Verlustrechung, Bilanz und Cash Flow-Rechung ist das Risiko böser Überraschungen zu hoch. In einer Neuplanung werden alle wichtigen Rechenwerke erfaßt und geschlossen miteinander verknüpft.
03.11.06
Wieviel Eigenkapital?
Wieviel Eigenkapital braucht ein Manager, der ein Unternehmen kaufen möchte? Die Frage provoziert die Gegenfrage. Soll es ein großes Unternehmen sein oder ein kleines? Soll es die Mehrheit oder kann es auch eine Minderheit sein? Für die Höhe des Kaufpreises bestimmend sind die Ertragslage des Unternehmens und sein (freier) Cash Flow. Kleine Unternehmen können gut verdienen und hohe Preise einspielen. Größere Unternehmen können „billig“ sein, wenn sie wenig profitabel sind. Konkreter: In der Praxis wird sich ein Manager meist an einem (gut profitablen) Unternehmen mit einem Umsatz zwischen EUR 5 Mio. und EUR 15 Mio. mehrheitlich beteiligen können. Wir sehen hier Bruttokaufpreise von EUR 2 Mio. bis EUR 7 Mio., manchmal auch mehr. Bei einem Eigenkapital von EUR 250.000 bis EUR 500.000 kann ein Manager ohne überspannte Finanzierung auf die Mehrheit oder 100% kommen. Bei größeren Transaktionen im MBI liegt die Mehrheit meist bei einem Finanzinvestor. Die Höhe des Kaufpreises ist nicht alleine entscheidend. Stehen Investitionen an oder ist eine Expansion geplant, sind oft zusätzliche Finanzmittel erforderlich. Bei vermeintlich günstigen, ertragsschwachen Unternehmen wird der Finanzierungsbedarf für die Zeit nach dem Kauf gerne unterschätzt. Billig ist dann gefährlich, nicht gut.
26.10.06